Eine Feder vom Christkind
- 's Bertal
- 21. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Zum ersten Advent bastelten Mama und ich eine Adventpyramide, sie stand auf einem großen Tortenteller und jeden Adventsonntag wurde eine Kerze angezündet. Anfangs machten wir die Pyramide mit vier Äpfeln. Dann mit fünf, das sah schöner aus. Die fünfte Kerze, die auf der Spitze der Pyramide stand, wurde dann am 24. Dezember zum Heiligabend angezündet.

Die Tage verflogen wie nichts und bald schon stand Weihnachten vor der Tür.
Dann war es so weit.
Der 24. Dezember war gegenwärtig, Papa verschwand nach dem Frühstück im Wohnzimmer.
„Ich muss jetzt dem Christkind helfen, sonst wird es nicht fertig!“, sagte er.
Gegen Mittag kam er wieder zu uns in die Küche, um eine Kleinigkeit zu essen. Es gab Würstchen mit französischem Salat, und es schmeckte köstlich. Danach verschwand er wieder im Wohnzimmer und wir begannen in der Küche Weihnachtslieder zu singen.
Allmählich begann es draußen zu dämmern, Mama schob das Huhn in das Backrohr und bald begann es herrlich nach Brathuhn zu duften.
Danach richtete sie einen Teller mit Weihnachtskeksen her, den sie dann ins Wohnzimmer trug.
„Das Christkind wird sicher Hunger haben!“, sagte sie und lachte.
Nach einer Weile kam sie wieder in die Küche und fragte: „Hast du zufällig aus dem Fenster gesehen?“
„Nein, wieso?“
„Schade, dann hättest du das Christkind gesehen, wie es vorbeigeflogen ist!“
Erstaunt sah ich sie an.
„Ist es denn schon fertig?“
„Ja und wieder weitergeflogen!“
In diesem Moment hörten wir ein Glöckchen klingeln und Mama meinte freudig: „Horch, das Christkind war da, komm.“
Wir gingen hinaus auf den Gang und Papa öffnete uns die Wohnzimmertür und da stand ein strahlender Christbaum. Spritzkerzen brannten und es roch nach Wald und Wachs.
Andächtig traten wir ein, stellten uns vor dem Christbaum auf und betrachteten ihn voller Freude, sogar einige Päckchen befanden sich unter seinen geschmückten Zweigen.
Nun sangen wir einige Weihnachtslieder und nach „Stille Nacht“ nahmen alle Platz. Ich durfte die Päckchen verteilen.
Als ich mich wieder bückte, um das letzte Päckchen hervorzuholen, sah ich etwas bei der Terrassentür liegen, länglich und weiß war es. Schnell gab ich das letzte Päckchen weiter und ging dann zurück zur Terrassentür, um zu sehen, was da lag.
Es war eine Feder, wunderschön anzusehen mit dem weichen Flaum. Vorsichtig hob ich sie auf und hielt sie hoch.
„Schaut mal, was ich da gefunden habe, eine Feder.“
„Oh, die wird das Christkind verloren haben, als es wieder weggeflogen ist.“ meinte Papa.
Mama nickte und ich legte die Feder vorsichtig auf die Anrichte.
Den ganzen Abend drehten sich jetzt meine Gedanken nur noch um diese Feder.
Ich hatte eine Feder vom Christkind.
Sie kam in meine kleine Schatztruhe, eine bunte Schachtel, in der ich Dinge aufbewahrte, die mir wichtig waren.
Als ich dann später im Frühjahr mit Mama einmal im Hühnerstall war, um Eier zu holen, fand ich dort jede Menge solcher Federn.
Mir kam dann die ganze Geschichte vom Heiligabend sehr verdächtig vor … und dennoch blieb diese eine Feder lange in meinem Schatzkistchen.
Zu schön war und ist die Erinnerung daran.

